HISTORIE/MODELLE

Der Name Wiesmann genießt heute im Bereich der Automobilhistorie bereits Legendencharakter. Alles begann auf der Essen-Motorshow 1985, als die Brüder Martin und Friedhelm Wiesmann die Idee hatten, einen Roadster im klassischen Stil der 50er und 60er Jahre mit moderner deutschen Technik zu entwickeln. Bis zum Start der Serienproduktion im Jahr 1993 mussten zwar viele Hürden überwunden werden, aber letztendlich wurden bis 2013 insgesamt 1599 Wiesmann-Roadster und GT mit bis zu 555PS starken BMW-Hochleistungsmotoren in Handarbeit gebaut. Alle „Wiesel“ genießen heute bereits Kultstatus!

Das Unternehmen wurde 1988 von Friedhelm und Martin Wiesmann gegründet, deren Eltern in Dülmen ein Autohaus besaßen. Nach der anfänglichen Produktion von Hardtops für diverse Cabrio-Modelle wurden im Jahr 1993 die ersten Roadster-Serienmodelle (MF25/35) als offener Zweisitzer mit Faltdach gefertigt. Der nachfolgende MF3 hatte bei gleichem Chassis höhere Leistungswerte. Nach zwölf Jahren Bau ausschließlich offener Fahrzeuge wurde 2003 auf der IAA erstmals ein geschlossenes Modell vorgestellt, der GT MF4 als Coupé mit zwei Sitzen. Es folgten in den Jahren darauf weitere Modellvarianten, mehr dazu weiter unten.



Im Oktober 2007 zog die Firma innerhalb Dülmens vollständig zu ihrem neu errichteten Standort um. Das Dach des neuen gläsernen Firmengebäudes wurde in wesentlichen Teilen aus einem markanten Holzständerwerk in Form eines überdimensionalen Geckos errichtet, dessen Schwanz über das Dach hinausragt. Der Gecko als Logo der Wiesmann-Fahrzeuge soll symbolisieren, dass die Autos „auf der Straße kleben wie Geckos an der Wand“.

Im Frühjahr 2012 zog sich Friedhelm Wiesmann aus dem operativen Geschäft der Sportwagen-manufaktur zurück und wurde Leiter des Stützpunktes Wiesmann Alps in München. Martin Wiesmann beendete im Juli 2012 seine Tätigkeit im Unternehmen. Am 14. August 2013 beantragte die Unternehmensführung beim Amtsgericht Münster ein Insolvenzverfahren.

Nach der Insolvenz wurde Wiesmann 2016 von den britischen Investoren Roheen und Sahir Berry übernommen. Geschäftsführer der jetzigen Wiesmann Sports Cars GmbH ist Roheen Berry. Unter dem Namen „Project Gecko“ befindet sich ein neues Fahrzeugmodell in der Planung und soll 2021 auf den Markt kommen, wurde aber bislang der Öffentlichkeit noch nicht vorgestellt (https://wiesmann.com/pages/project-gecko).

Wir sind alle sehr gespannt auf das neue Modell und auf die Wiedergeburt der Marke Wiesmann.


Fahrzeugmodelle

Die Wiesmann-Modelle wurden nach den Vornamen der Firmengründer Martin und Friedhelm Wiesmann mit MF bezeichnet, die Zahl dahinter gibt Aufschluss über die Karosserie- und Motorvarianten. Im Laufe der Jahre wurden folgende Modelle gebaut:

Roadster MF25/MF28/MF30/MF35

Die beiden ersten ab 1993 von Wiesmann in Serie produzierten Modelle waren der MF 25 mit 2,5 Liter Hubraum und 125kW/170PS und der MF35 mit 3,5 Liter Hubraum und 155kW/211PS. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 bzw. 225 km/h, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h bei 6,2 bzw. 5,4 s.

Die Karosserieform zählt zu den klassischen Roadstern, ein offener Zweisitzer mit Faltdach. Das Fahrgestell besteht aus einem mit Aluminium beplankten feuerverzinkten Stahl-Gitterrohrrahmen, die Karosserie aus einem glasfaserverstärkten Verbundwerkstoff. Das Fahrzeug ist 3,86 m lang, 1,75 m breit sowie 1,16 m hoch und hat ein Leergewicht von 1080 kg. 1994 und 1995 gab es dann die ersten Modellwechsel:

Der MF25 sollte eigentlich durch den MF25-4 (141 kW/192 PS mit Vierventiltechnik)) ersetzt werden, wurde aber aufgrund einer neuen Motorengeneration von BMW dann zum MF28 (2,8 Liter-Reihensechszylinder mit 142 kW/192 PS).

Der MF35 wurde durch den MF3 mit einem 3 Liter-Reihensechszylinder und 210 kW/286 PS aus dem BMW M3 (E36) ersetzt. Später wurde aus dem Einstiegsmodell MF28 dann der MF30 mit einem 3 Liter-Reihensechszylinder und 170 kW/231 PS.

Produktionszahlen:

  • MF25: 4 (1993-1994)
  • MF35: 7 (1993-1994)
  • MF25-4: 1 (Umbau eines MF25 – 1994)
  • MF28: 47 (1995-2000), MF30: 26 (2000-2007)

Roadster MF3

Der MF3 besitzt das gleiche Chassis wie die vorherigen Modelle und ist deren Fortentwicklung mit größeren und stärkeren Motorvarianten. Auf die ursprüngliche 3,0 Liter-Variante mit 286 PS folgte ab 1995 eine 3,2 Liter-Reihensechszylinder mit 236 kW/321 PS, hiervon wurden bis 2001 insgesamt 156 Stück gebaut. 2001 folgte dann der Motor aus dem BMW M Roadster (Z3) mit 239 kW/325 PS.

Ab 2003 erhielt der MF3 dann neben einem Facelift mit geänderter Front auch einen neuen Motor. Es handelt sich um den Reihensechszylinder S54 aus dem BMW M3 (E46). Er hat einen Hubraum von 3246 cm3 und die Nennleistung liegt bei 252 kW (343 PS). Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h liegt bei 4,9 s, die Höchstgeschwindigkeit bei 255 km/h.

Die Abmessungen blieben unverändert, allerdings ist das Fahrzeug mit nun 1180 kg rund 100 kg schwerer. Der MF3 besitzt serienmäßig ein 5-Gang-Schaltgetriebe, 6 Gänge und ein sequenzielles Getriebe (SMG) waren optional erhältlich. Besonderheiten: 1997 gab es einen MF3 mit einem V8-Saugmotor aus dem BMW 540i mit 210kW/286 PS, 1999 kam ein weiteres Exemplar mit V8-Motor aus dem BMW M5 (E39) mit 294kW/400PS dazu.

2008 gab es zum 20-jährigen Firmenjubiläum eine „20th aniversary edition“ des MF3 mit dem 265kW/360 PS starken Motor aus dem BMW M3 CSL (E46), hiervon wurden insgesamt 30 Stück gebaut. 2011 wurde auf der IAA die „final edition“ vorgestellt, die aus einer Zusammenarbeit mit den Designbrüdern Christian und Michael Sieger entstand und in 18 individuellen Farbkonzepten angeboten wurde.

Insgesamt wurden in der Zeit von 1988–2012 vom MF3 und seinen Vorgängermodellen inkl. Prototypen 910 Exemplare gebaut.

GT MF4

Nachdem man 12 Jahre ausschließlich offener Fahrzeuge produziert hatte, wurde 2003 auf der IAA erstmals der Prototyp eines geschlossenen Modells als 2-sitziges Coupe präsentiert. Vorbild hierfür bildete der „Wiesmann-Renn-GT”, mit dem man 2001 und 2002 an mehreren VLN-Läufen und 2002 beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring teilnahm.

Die Vorstellung des GT-Serienmodells erfolgte 2005 auf der IAA in Frankfurt. Die ersten 8 Fahrzeuge hatten einen 4,4 Liter V8-Saugmotor mit Handschaltung und 245kW/333PS, darauf folgte ein V8-Sauger mit 4,8 Liter Hubraum und 270kW/367PS, ab 2007 wahlweise auch mit einer 6-Gang-Sportomatik, die man auch über Schaltwippen am Lenkrad bedienen konnte. Der GT MF4 unterschiedet sich in Design, Rahmen und Motorisierung von den Roadstern.

Das Chassis ist ein nur 110 kg schweres geklebtes und genietetes Aluminium-Monocoque, die Karosserie besteht wie bei den Roadstern aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Die Höchst-geschwindigkeit liegt bei 290 km/h, die Beschleunigung 0 auf 100 km/h bei 4,6 s. Ab 2011 wurde der Wiesmann GT MF4 mit einem V8-Biturbo ausgeliefert (300 kW/407 PS) der bei BMW auch im 750i/650i/550i verbaut ist.

Damit erreicht der Sportwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 291 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,6 s. Das nur 1385 kg schwere Fahrzeug ist 4,23 m lang, 1,85 m breit und 1,19 m hoch. Auch vom GT MF4 gab es anlässlich des 20-jährigen Firmenjubiläums eine auf 20 Stück limitierte „20th aniversary edition“.

Auf dem Genfer Autosalon im März 2010 wurde dann der GT MF4-S mit dem 4,0 Liter-V8-Hochdrehzahlmotor aus dem BMW M3 (E92) mit 309kW/420PS vorgestellt. Für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h benötigt der Wagen 4,4 Sekunden. Außerdem unterscheidet er sich im Außendesign: Die Blinker an der Front sind nun in das Abblendlicht integriert, an der Front hat er eine Spoilerlippe und am Heck besitzt der Wagen nun einen ausfahrbaren Flügel.

In Kombination mit dem S-Motor gibt es ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DKG). Der GT MF4-S wiegt 1310 kg und ist damit 75 kg leichter als der GT MF4. Außerdem gab es zum 25-jährigen Firmenjubiläum 2013 eine auf 25 Stück limitierte „Clubsport“-Version GT MF4-CS, es wurde jedoch aufgrund der Insolvenz nur ein Exemplar von diesem Modell gebaut.

Produktionszahlen:

  • GT MF4: 230 (2005-2013)
  • GT MF4-S: 25 (2010-2013)
  • GT MF4-CS: 1 (2013)

insgesamt 256 Stück

GT MF5

Im Herbst 2007 wurde der Prototyp des GT MF5 mit dem aus dem damaligen M5 und M6 bekannten Fünfliter-V10-Motor (S85) und 373kW/507 PS vorgestellt. Dazu gab es ein automatisiertes Siebengang-Schaltgetriebe (SMG) aus dem M5 und dem M6 mit Schaltwippen. Die Weltpremiere der Serienfahrzeuge fand auf dem Genfer Automobilsalon im März 2008 statt.

Wie beim GT MF4 hat auch der MF5 ein geklebtes und genietetes Aluminium-Monocoque und eine Karosserie auf GFK. Das Grundkonzept mit Frontmittelmotor und Heckantrieb ist ebenfalls gleich, der MF5 ist jedoch breiter, hat einen feststehenden Heckflügel sowie größere Lufteinlässe an der Frontschürze und zusätzliche Radhausentlüftungen.

Auch vom GT MF 5 gab es anlässlich des 20-jährigen Bestehens in 2008 ein auf 20 Stück limitiertes Sondermodell „20th aniversary edition“. Ab 2011 erhielt das Auto den BMW-V8-Twinturbo-Motor mit einem Hubraum von 4,4 Litern und einer Leistung von 408 W/555 PS.

Produktionszahlen:

  • GT MF5 – V10: 57 (2007-2010)
  • V8-Twin-Turbo: 21 (2011-2013)

nsgesamt 78 Stück

Roadster MF4

Auf dem Genfer Autosalon im März 2009 hatte der Roadster MF4-S mit einem 4,0 Liter-V8-Hochdrehzahl-Saugmotor und einer Leistung von 309kW/420PS seine Premiere. Parallel wurde der Roadster MF4 mit dem bereits aus dem GT MF4 bekannten 4,8 Liter-V8-Saugmotor mit 270kW/367PS eingeführt. Ab Ende 2010 wurde dieser Motor durch einen 4,4 Liter-V8-Twin-Turbo mit 300kW/407PS ersetzt.

Die Fahrzeugmaße sind mit 4,24 m Länge, 1,88 m Breite und 1,23 m Höhe bei beiden Modellen identisch, Leergewicht (1319-1390 kg), Beschleunigung 0-100 km/h (4,1-4,6 s) und Höchstgeschwindigkeit (290-300 km/h) unterscheiden sich je nach Motorisierung. Serienmäßig wurde der Roadster MF4 mit einem 6 Gang-Handschaltgetriebe ausgestattet, alternativ war eine 6 Gang-Sportautomatik und beim MF4-S ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DKG) erhältlich.

Der letzte in 2013 fertig produzierte Wiesmann ist ein Roadster MF4 mit der Fahrgestell-Nr. 254 und einem V8-Twin-Turbo-Motor mit 407 PS.

Produktionszahlen:

  • Roadster MF4: 153 (2009-2013)
  • MF4-S: 96 (2009-2013)

insgesamt 249 Stück.

Roadster MF5

Die „offene Version” des GT MF5 wurde im September 2009 auf der IAA in Frankfurt präsentiert. Der mit dem V10-Hochdrehzahl-Saugmotor (373kW/507PS) und 7 Gang-SMG aus dem BMW M5 und M6 wurde von Beginn an auf 55 Stück limitiert, davon wurden bis Anfang 2011 jedoch nur 43 gebaut.

Ab März 2011 wurde dann auf den aus BMW X5 M und BMW X6 M bekannten, 4,4 Liter-V8-Twinturbo-Motor (408 kW/555 PS) umgestellt. Für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h benötigt er 3,9 Sekunden. Die Fahrzeugmaße sind bis auf die etwas kürzere Länge von 4,215 m identisch mit der Coupe-Variante (Breite: 1,955 m, Höhe: 1,18 m).

Produktionszahlen:

  • Roadster MF5-V10: 43 (2009-2011)
  • V8-Twin-Turbo: 63 (2011-2013)

insgesamt 106 Stück

Designstudie des Wiesmann Spyder

Auf dem Genfer Autosalon 2011 zeigte Wiesmann die Designstudie des Wiesmann Spyder. Hierbei hat man das Thema Purismus noch weiter getrieben und verzichtete auf Dach, Türen, Scheiben und Außenspiegel.

Dadurch sank das Leegewicht auf 985 kg. Mit dem V8-Saugmotor aus dem BMW M3 (309kW/420 PS) beschleunigt der Spyder in 3,6 sec von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h.

Es blieb jedoch nur bei der Studie.

Projekt Gecko

Seit der Übernahme des Unternehmens durch die Gebrüder Berry im Jahr 2016 wird fleißig an einem neuen Wiesmann-Modell gearbeitet, dieses wird wieder von einem BMW V8-Hochleistungsmotor angetrieben werden. Es soll alles das fortsetzen, wofür das Unternehmen stand und auch weiterhin steht: Purer Fahrspaß mit klassischem Design, deutscher Ingenieurskunst und großartigem Handling.

Eine Vorstellung in der Öffentlichkeit hat bislang nicht stattgefunden, bis zur in 2021 geplanten Markteinführung bleibt das gesamte Vorhaben unter Verschluss.




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